Namens-Posse um die „Erwin-Brücke“

Veröffentlicht in Politik mit den Tags , , , , , , , , , am März 29, 2009 von Jan

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Der verstorbene Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) hatte es geahnt. Die Nachwelt möge sich bitte nicht „um eine Straße oder eine Hausnummer“ zu seinen Ehren streiten, schrieb er als letzten Punkt in sein Vermächtnis. Die Düsseldorfer CDU respektierte seinen letzten Willen etwas eigenwillig und stürzte sich bereits wenige Wochen nach Erwins Tod in einen abstrusen Streit mit der Nachbarstadt Meerbusch um die zwischen beiden Kommunen liegende Flughafenbrücke.

Diese Autobahnbrücke der A44 wollten Heimatvereine, Schützen und Düsseldorfer CDU nun gerne Joachim-Erwin-Brücke nennen. Die in solchen Fällen in der Regel fällige Wartezeit von mehreren Jahren wurde geflissentlich ignoriert, ebenso wie die Tatsache, dass die Brücke nur zur Hälfte auf Düsseldorfer Gebiet liegt. Die andere Hälfte gehört zu Meerbusch (Kreis Neuss). Die Düsseldorfer kamen nicht mal auf die Idee, in Meerbusch anzufragen. NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke (CDU) holte sich in Berlin das Okay und ließ schon mal Namensschilder anfertigen.

Der Protest aus Meerbusch ließ nicht lange auf sich warten. Die Parteien der zehn Mal kleineren Kommune schlugen reichlich Terz und beschwerten sich beim NRW-Ministerpräsidenten. Minister Wittke ignorierte die Nachbarn, das Düsseldorfer Rathaus lotete schon den Umebennungs-Termin aus.

Dummerweise stolperte dann Minister Witttke über seine Raserei, und sein Nachfolger Lutz Lienenkämper (CDU) kommt aus Meerbusch und hat dort seinen Wahlkreis. Der Wirtschaftsexperte sah die Sache etwas differenzierter als Wittke und blies das umstrittene Projekt kurzerhand ab – unter Hinweis auf Erwins Vermächtnis.

Jetzt ist die Düsseldorfer Union/FDP mächtig sauer auf Lienenkämper. Aber der wird’s überleben. Und die 2002 eröffnete Brücke? Die heißt weiter Flughafenbrücke.

Link: Ein ganz informativer Artikel zum Thema findet sich bei der FAZ („Keine Brücke für Erwin„), eine Link-Sammlung gibt es beri Mister Wong.

Foto: Wikipedia/Walter Koch

Grüne Suchmaschine: Mit Forestle den Regenwald retten?

Veröffentlicht in Öko-Freaks, Politik, Web-Wahnsinn mit den Tags , , , , , , , , , , am März 25, 2009 von Jan

forestle1Was es nicht alles gibt. Jetzt kann man angeblich per Internet-Suchabfragen den Regenwald retten. Die „grüne“ Suchmaschine Forestle soll es möglich machen. Nach Angaben der Betreiber ist Forestle ist eine „unabhängige und nicht-profitorientierte Webseite“.

Nach Abzug von circa zehn Prozent Verwaltungsgebühren gingen alle Überschüsse an das ‘Adopt an Acre’ Programm der gemeinnützigen Organisation The Nature Conservancy. Die Startseite verspricht, dass pro Suchabfrage 0,1 Quadratmeter Regenwald unter schutz gestellt werden können. Derzeit würden etwa 40.000 Menschen Forestle täglich nutzen.

Zunächst sei das Projekt in Zusammenarbeit mit Google betrieben worden, die Kalifornier hätten sich dann aber ohne Angabe von Gründen zurückgezogen.

Mich erinnert das Ganze an die leicht bescheuerte Trinken-für-den-Regenwald-Kampagne von Krombacher. Dabei sollte pro verkauftem Kasten ein Quadratmeter zentralafrikanischem Regenwald unter Schutz gestellt werden. Insgesamt kamen 1500 Hektar zusammen. Dummerweise  werden allein in Indonesien jährlich 1,5 Millionen Hektar Regenwald vernichtet (Angabe des WWF, zitiert nach Abendblatt.de). Die Kampagne könnte den Regenwald also erst retten, wenn der komplette Planet von Krombaer-süchtigen Alkoholikern bewohnt wird.

Ich hoffe mal, Forestle kalkuliert da etwas realistischer…

Versteckte Botschaften in Lincolns Taschenuhr

Veröffentlicht in Geschichte, Politik mit den Tags , , , , , , , , , , , , am März 18, 2009 von Jan
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Die Kritzeleien in Lincolns Taschenuhr. Foto: Smithsonian’s National Museum of American History (Press-Release)

Wenn Bürgerkriegs- präsident Abraham Lincoln zur Taschenuhr griff, hatte er immer auch versteckte Botschaften in der Hand – von denen der Präsident allerdings nichts wusste. Denn unter dem Zifferblatt der „First Clock“ hatten sich die Uhrmacher verewigt. Das meldet das Washingtoner National Museum of American History in seinen Presse-Veröffentlichungen.

Drei Kritzeleien konnten Forscher jetzt entdecken. Die längste lautet: „Jonathan Dillon, April 13, 1861. Fort Sumter was attacked by the rebels on the above date. Thank God we have a government.“ Mit dem Angriff der Südstaaten auf Fort Sumter begann bekanntlich der amerikanische Bürgerkrieg.

Dillon war Uhrmacher in Washington und hatte den Chronometer des Präsidenten 1861 repariert. Noch 1906 brüstete sich der damals 83-Jährige damit, in der Uhr eine Botschaft hinterlassen zu haben.

Sein Urur-Enkel machte nun das National Museum of American History darauf aufmerksam, wo der Chronometer im Rahmen einer Lincoln-Ausstellung („Abraham Lincoln – an extraordinary Life„) gezeigt wird. Ein Urenkel des ermordeten Präsidenten hatte die goldene Uhr für die Ausstellung zur Verfügung gestellt – er gab seine Zustimmung zur Untersuchung. Ein Uhrmacher öffnete vor laufender Kamera den Zeitmesser, bestätigte, dass es da eine Botschaft hab – und der Dillon-Nachfahr las die Worte  laut vor, als ob sie erst gestern ins Metall graviert worden wären. Sein Ahn Jonathan schrieb zumindest leserlich…

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Das Signet der Ausstellung

Die Botschaft muss wohl nach unter dem direkten Eindruck der aufwühlenden Nachricht vom Ausbruch des Bürgerkrieges entstanden sein.

Der Uhrmacher war allerdings nicht der einzige, der sich unter dem Zifferblatt der Präsidentenuhr verewigte. Ein anderer Feinmechaniker schrieb nur „LE Grofs Sept 1864 Wash DC„. Ein weiterer – offenbar ein heimlicher Anhänger der Südstaaten – kritzelte den Namen des Lincoln-Gegenspielers und Konföderierten-Präsidenten Jefferson Davis auf eine freie Ecke.

Lincoln hatte die Uhr, ein Statussymbol, in der 1850er Jahren bei einem Juwelier in Springfield, Illinois. Sie war ein Zeichen seines Erfolgs als aufstrebender Rechtsanwalt. Das Uhrmacher sich in den Gehäusen verewigten, war zu dieser Zeit gängige Praxis.

Das Museum hat dazu auch ein dreiminütiges Video online gestellt.

Die Milchbrötchen der NPD

Veröffentlicht in Politik mit den Tags , , , , , , am März 14, 2009 von Jan

Die „Neuesten Nationalen Nachrichten“ von Extra3 (NDR) nehmen mal wieder die Querelen in der NPD aufs Korn. Führer Hitler ist ganz schön sauer auf die Chaos-Truppe – insbesondere auf Udo Pastörs und dessen „Judenrepublik“-Rede. Wegen dieser ermittelt ja nun auch die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Volksverhetzung.

Ein köstliches Filmchen!

Mumien-Ausstellung in Bozen: Ötzi kriegt Gesellschaft

Veröffentlicht in Geschichte mit den Tags , , , , , , , , , , , am März 10, 2009 von Jan
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Screenshot der Museumsseite

Im Archäologie-Museum in Bozen (Südtirol/Trentino) wird es gruselig. Ab sofort zeigt das Haus neben seinem Stammbewohner Ötzi 60 weitere Mumien sowie viele Grabbeigaben und Begleitfunde. Titel der Schau: „Mumien. Der Traum vom ewigen Leben“. Die Ausstellung war 2007 bereits (ohne Gletschermann Ötzi) unter diesem Titel in Mannheim zu sehen.

Sie soll „Einblicke in das weltweite Phänomen der Mumifizierung bei Menschen und Tieren“ bieten. Forschungsergebnisse der Anthropologie, Biochemie, Genetik, Pathologie, Medizin und anderer Disziplinen sollen Aufschlüsse über Lebensumstände, Herkunft, Ernährungsgewohnheiten und Krankheiten der präparierten verstorbenen liefern.

Die Sonderausstellung ist bis zum 25. Oktober 2009 in Bozen zu sehen.

Vampir-Hysterie: Archäologen finden gepfähltes Frauenskelett

Veröffentlicht in Geschichte mit den Tags , , , , , , , , am März 8, 2009 von Jan

Italienische Archäologen haben beim Öffnen eines Grabes mit spätmittelalterlichen Pestopfern die Leiche einer Frau entdeckt, die ihre Zeitgenossen offenbar für eine Vampirin gehalten haben. Das berichtet Der Standard. Der Schädel der venezianischen Frau aus dem 15. Jahrhundert war vom Mund her mit einem steinernen Pfahl durchbohrt. Grund könnte eine Vampir-Hysterie zu Zeiten der Pest gewesen sein.

Die Zeitgenossen fürchteten, dass Vampire sich von den reichlich anfallenden Leichen der Pestopfer ernähren – und wenn sie anschließend Menschen bissen, die Krankheit übertrügen. Das vielen gerade verstorbenen Pestopfern Blut aus dem Mund lief wurde als Indiz gesehen, dass es sich um Vampire handelte.

Gruselig…

Streit um „Streumunition“: Journalist unterliegt Waffenhersteller

Veröffentlicht in Politik mit den Tags , , , , , am März 7, 2009 von Jan
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Die Diehl-Produktseite zur Diehl Smart 155mm (Screenshot)

Der Nürnberger Waffenproduzent Diehl hat dem Regensburger Journalisten Stefan Aigner gerichtlich verbieten lassen, sein Produkt Diehl Smart 155mm als „Streumunition“ zu bezeichnen. Das meldet die taz. Es handele sich statt dessen um „intelligente Zielmunition“.

Hintergrund: Die Herstellung von Streumunition ist laut Oslo-Abkommen vom Dezember 2008 in rund 100 Staaten verboten, auch in Deutschland. Würde Diehl also „Streumunition“ herstellen, würde die Firma Rechtsbruch begehen. Irgendwie verständlich, dass das Unternehmen sich das nicht unterstellen lassen möchte.

Und so funktioniert die „Suchzünder-Munition“: Sie wird per  Artillerie verschossen und stößt nach einer voreingestellten Flugzeit die so genannten Submunitionen aus. Diese sinken am Fallschirm herab und  tasten das Zielgebiet mit ihrer Dreifach-Suchsensorik autonom nach Zielen ab. Die Sensor-Algorithmik ist nach Herstelleramgaben in der Lage, gepanzerte Gefechtsfahrzeuge sicher zu erkennen, diese von zibilen Zielen zu unterscheiden und auch unter schwierigen Witterungsbedingungen zu bekämpfen. Zur Vermeidung von Blindgängern enthalten die Submunitionen einen Selbstzerstörungsmechanismus (mehr dazu bei Wikipedia).

Ist das also Streumunition, die auch Unbeteiligte gefährdet oder nicht? Nun hat die Waffen-Lobby einige Songerregelungen im Oslo-Abkommen durchgesetzt. Die taz erklärt das so:

Dieser Vertrag enthält Ausnahmen für solche Typen von Streumunition, die angeblich keine Gefahr für Zivilisten darstellen, weil sie die folgenden technischen Spezifikationen erfüllen: Jede Munition enthält weniger als zehn eigenständig explodierende Submunitionen, die jede mindestens vier Kilo wiegen; jede explosive Submunition enthält Mechanismen zur selbstständigen Zielerkennung sowie zur Selbstzerstörung und Selbstdeaktivierung für den Fall, dass sie ihr anvisiertes Ziel verfehlt oder liegen bleibt, ohne zu explodieren.

Und weil die Diehl Smart 155-Munition genau diese Bedingungen erfülle, sei sie eben keine verbotene Streumunition und dürfe auch nicht von Journalisten so genannt werden, meint der Konzern. Das Gericht gab ihm Recht.

Pathos gefällig? Der eigene Film zum Sezessionskrieg

Veröffentlicht in Geschichte, Nerd-Spielzeug mit den Tags , , , , , , , am März 6, 2009 von Jan

burnsDer amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865) war einer der ersten Konflikte, der auf  Fotografien festgehalten wurde.  Beim Blick auf die zerzausten Recken auf den fast 150 Jahre alten Fotos beschleicht einen schon ein eigenartiges Gefühl. Das sind also Urururgroßväter in der Blüte ihrer Jahre, in einemKampf, 60 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg…

Die Erinnerung an das große Schlachten wird in den USA hochgehalten. Reenactment liegt da ja eh im Trend. Im Rahmen der epischen TV-Dokumentation „The Civil War“ von Regisseur Ken Burns (so eine Art amerikanischer Guido Knopp, nur deutlich pathetischer) gibt es jetzt sogar die Möglichkeit, einen eigenen Film zum Bürgerkrieg zu drehen.

Auf der Webseite der Dokumentation stehen dazu Fotos, ein gesprochener Soundfile („The civil war was fought in 10.000 places…“) sowie getragene Klavierstücke aus den Kriegs- und Vorkriegsjahren (The Moonbeam Waltzes/General Taylor storming Monterey) zur Verfügung. Der Besucher kann das alles in einem Flash-Editor neu kombinieren – und lernt nebenbei ein bisschen US-Geschichte. Das Ergebnis kann man dann an Freunde verschicken.

Didaktisch raffiniert gemacht…

Ich will ne Robo-Schlange

Veröffentlicht in Nerd-Spielzeug mit den Tags , , , , am März 6, 2009 von Jan

Die Zeit, in der Roboter ungelenkte Blechgesellen mit drei abwechselnd blinkenden Lämpchen waren (und gerne mal auf den Namen Marvin hörten), ist ein für allemal vorbei. Die US-Firma Wowwee präsentiert: Per Web steuerbare Roboter für den Hausgebrauch. Hier mal das Exemplar Roboboa. Das Teil kann sich schlangenmäßig bewegen, hat eine Soundausgabe und darauf abgestimmte Leuchtdioden im Kopfbereich (Einbrecher werden sich totlachen).

Ich frage mich nur, was Katzen dazu sagen (Kostenpunkt ca. 40 Dollar)…

Hoax-Story: Wie ein Uni-Seminar Amerikas letzten Piraten erfand

Veröffentlicht in Geschichte, Web-Wahnsinn mit den Tags , , , , , , , , , , am März 6, 2009 von Jan

piratenflaggeGab es noch in den 1870er Jahren Piraterie vor der Ostküste der USA? Ein Mann namens Edward Owens (1852-1932) soll „Amerikas letzter Pirat“ gewesen sein. Das legten Recherchen einer  Studentin nahe, die diese per verwackeltem Youtube-Filmchen und einer eigenen Website verbreitete. 1200 Besucher kamen, sahen und verbreiteten weiter.

Sogar eine Redakteurin der landesweit erscheinenden Zeitung USA Today erwähnte die sensationelle Entdeckung in ihrem Blog. Owens – ein netter Pirat, der auch nie ein Opfer verletzt haben soll, bekam natürlich auch einen eigenen Wikipedia-Eintrag, denn was in der Wikipedia steht, muss ja stimmen.

Bloss: Das ganze ist genauso falsch wie der Vorname Wilhelm für unseren Wirtschaftsminister zu Guttenberg. Dahinter steckte ein Studentenseminar von Prof. T. Mills Kelly (George-Mason-University, Virginia), das sich auf praktische Weise mit dem Thema  „Lying about the past“ beschäftigte. Nach Aufdeckung des Schwindels musste sich der Professor einiges an Kritik anhören, weil er der Glaubwürdigkeit von Wikipedia geschadet habe. Ich finde solche Lektionen ja eher lehrreich…

Hier ist mal das Video:

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